Amir ist verstorben

  • rasse: dackel-mix
  • alter: geb ca. 11 /2008
  • größe: 30 cm
  • geschlecht: männlich
  • kastriert: ja
  • kostenbeteiligung: 300 €
  • ort: zwiesel

Beschreibung

Auf kleinen Pfoten zum Glück- die unglaubliche Geschichte von Amir mit dem Kämpferherz

Amir kam im November letzten Jahres auf seine Pflegestelle zu mir in den Bayerischen Wald. Er stammt ursprünglich aus der Slowakei und fristete sein Dasein in einem Tierheim in der Nähe von Passau. Dieses Tierheim musste aus finanziellen Gründen leider zum 31.12.2012 die Pforten schließen. Über fünf Ecken wurde uns der Fall bekannt und wir halfen. Ich selbst nahm 3 Hunde auf, darunter auch Amir.

Ohne genauere Charakterbeschreibung oder Informationen zu seinen Befindlichkeiten, packte ich ihn ins Auto und wir fuhren Richtung Heimat. Nach ein paar Kilometern musste ich schon stoppen, weil er sich mehrmals übergeben hatte. Daheim angekommen, traute er sich erst nicht aus dem Auto raus und dann über die Treppen ins Haus hinein. Und wie man es dann so macht als „erfahrene“ Pflegestelle, ließ ich ihm erstmal Zeit „anzukommen“. Da er abends noch immer nicht rein wollte, trug ich ihn einfach über die Treppen. Ab diesem Moment verkroch er sich unterm Küchentisch und kam nicht mehr hervor. Essen und Trinken und jedwede Annäherung kommentierte er mit Rückzug und Panik. Na ja, ich ließ ihm die Zeit. Am Sonntag morgen musste ich dann doch mal mit ihm raus zur Gassirunde. Die ging er schön mit, aber als es zum Haus zurück ging, schlupfte er wie Udini aus seinem Geschirr und lief weg. Ich hinterher, natürlich so ruhig wie möglich, aber er war weg! Meine Gefühle überschlugen sich: Angst, Scham, Wut auf mich selber, Verzweiflung, Hoffnung, all diese Gemütszustände bestimmten nun die nächsten zwei Wochen! Von Amir wenig Spuren. Tasso, Polizei, Jäger, Tierheime, Privatpersonen, Tierärzte, Zeitungsannoncen……. alle wurden informiert und alles wurde versucht, um Amir ausfindig zu machen. Zweimal wurde er ca. 3 Kilometer vom Haus entfernt auf der Bundesstraße mitten auf der Kreuzung gesehen. Blitzschnell fuhren wir mit dem Auto hin, aber er war schon wieder weg. Also stellten wir Lebendfallen mit Futter und Decken auf und kontrollierten sie mehrmals täglich. Aber auch damit hatten wir kein Glück.

Zwei Wochen und 40cm Neuschnee später kam der erlösende Anruf eines Jägers: er konnte Amir fangen, mitten im Wald bei einer Jagdhütte. Er war so schwach, dass er durch den hohen Neuschnee nicht mehr davon laufen konnte. Ach was waren wir froh!!!!!! Nun mussten wir ihn nur noch abholen, was sich allerdings als Problem entwickelte. Ich war in der Arbeit und konnte nicht einfach weg, meine Eltern hatten das Auto zur Reparatur und der Jäger war mit dem Traktor im Wald und wollte nicht riskieren, dass Amir nochmal ausbüxen konnte. Also riefen wir kurzerhand ein Taxiunternehmen an. Erklärt mal dem Taxifahrer, dass er nicht veräppelt wird, wenn man ihn in ein Waldstück schickt um einen Hund abzuholen. Aber hier konnten wir zum Glück Überzeugungsarbeit leisten und er wurde per Chaffeur abgeholt.

Die nächsten 8 bis 12 Wochen waren für Amir und mich dann die Hölle. Er versteckte sich weiterhin nur unter dem Küchentisch, ich versuchte immer wieder in kleinen Schritten sein Vertrauen zu erlangen. Was muss dieser kleine Kerl wohl mit Menschen erlebt haben, dass er so panisch auf jede noch so gutgemeinte Annäherung reagiert? Ich stand vor einem Rätsel und wollte doch nur das Beste für ihn! Immer wieder holte ich den Rat erfahrener Hundetrainer ein und jeder sagte mir, ich müsse abwarten. Dieser Zustand könnte auch über Monate bis Jahre gehen. Aber ich gab nicht auf, legte mich im Abstand zu ihm unter den Tisch, fütterte ihm bestes Fleisch aus der Hand und langsam, ganz langsam fasste er Vertrauen und legte seine Zurückhaltung ab. Keiner kann sich vorstellen, wie glücklich und erleichtert ich in dem Moment war, als er sich nach etwa 10 Wochen das erste Mal leicht streicheln ließ!!!!!!! Wenn ich daran denke, schießen mir jetzt noch die Tränen in die Augen…..

 

Ab diesem Zeitpunkt ging eigentlich alles andere sehr „schnell“. Amir bewegte sich frei im Haus, gab seine Isolation unterm Küchentisch auf, fraß normal und fand Gefallen an den Gassirunden (die wir nach der Flucht ab diesem Zeitpunkt nur noch doppelt und dreifach gesichert angetreten haben!). Alles verlief in ruhigen Bahnen, außer der Tatsache, dass er vor meinem Mann (bis heute) noch immer Angst hatte.

Viele weitere Wochen später, Ende Februar, dachte ich dann, die ideale Endstelle für ihn gefunden zu haben. Eine alleinstehende, ältere Frau, die immer Dackel hatte, wollte Amir ein neues Zuhause geben. Wir trafen uns, ich erzählte ihr von seiner Vorgeschichte und sie war willens, Amir bei sich aufzunehmen, verfügte sich doch über den nötigen Hundeverstand und langjährige Erfahrung. Also brachte ich Amir dorthin, ca. 20 Kilometer von meinem Zuhause entfernt.

Niemals hätte ich gedacht, dass mir der Abschied von ihm so schwer fallen würde! Während der 20-minütigen Fahrt kullerten mir die Tränen nur so runter. So sehr hatte ich ihn ins Herz geschlossen! Ich riss mich am Riemen und überzeugte mich selber, dass Amir das bestmögliche Zuhause gefunden hatte.

Nachdem ich ihn übergeben hatte, musste ich irgendwann Abschied nehmen. Ich versuchte es so kurz und schmerzlos wie möglich zu machen und fuhr nach Hause. Als ich daheim die Haustüre aufschloss, hörte ich das Telefon klingeln. Ich ging ran und die Adoptantin von Amir war am Telefon: Amir ist weg!!!!!!! Sie wollte Gassi gehen, hatte die Leine noch nicht um, aber die Haustüre schon offen und weg war er. Mir blieb für einen kurzen Moment das Herz stehen! Oh mein Gott, nicht schon wieder!!!!!

Raus aus dem Haus, rein ins Auto und sofort wieder hingefahren. Meine beiden eigenen Hunde hatte ich auch dabei und so fing die Suche nach Amir von vorne an. Über zwei Stunden waren wir im Ort unterwegs, befragten Passanten, klingelten an Haustüren, aber Amir blieb verschwunden. Mit ein wenig Ironie und Sarkasmus würde ich sagen, ich hatte ja schon Routine und leierte die Maschinerie mit Tasso, Polizei, Jägern, Tierärzten usw. wieder an. Am nächsten Morgen suchte ich ab 7 Uhr wieder die ganze Gegend ab, aber weit und breit kein Amir. Nun muss ich dazu sagen, dass es in der Zeit mit -20°C und ca. 60cm Schneehöhe für den kleinen Kerl relativ aussichtslos war, sich irgendwie durchzuschlagen.

So vergingen die Tage wieder, ich war fix und fertig und machte mir große Vorwürfe, ihn abgegeben zu haben usw. War ich zwar nicht „Schuld“, so hatte ich dennoch ein schlechtes Gewissen.

Als nach 7 Tagen, also einer ganzen Woche, immer noch kein Lebenszeichen von Amir eingegangen war, schloss ich innerlich bereits mit seiner Rettung ab. Zu kalt war es die letzten Tage, zu viel Neuschnee fiel und zu wenig Futter konnte er finden…….

Dann am Tag 8, Sonntagvormittag, saß ich am Küchentisch und bereitete mich auf die nächste Arbeitswoche vor. Meine beiden Hunde lagen im Körbchen und schliefen selig. Urplötzlich sprangen sie auf und bellten wie verrückt. Na ja, dachte ich, fährt ein Auto vor, nachdem aber keine Ruhe mehr einkehrte, stand ich auf und schaut zum Fenster raus. Und was sah ich?

                                         AMIR STAND VOR DER HAUSTÜRE!!!!!!!

Fast fiel ich hin, so schnell rannte ich raus, Amir sah mich, rannte zu mir und winselte und jammerte vor Freude. Er leckte mir übers Gesicht, Hände, Füße, alles was er fand und drückte sich ganz fest an mich! Muss ich erwähnen, dass ich Rotz und Wasser geheult habe? Eigentlich nicht oder?

So saßen wir da minutenlang im Schnee auf den Boden und ich hielt ihn ganz fest umarmt. Ich trug ihn ins Haus und erst da sah ich, wie abgemagert er war. Total eingefallen an den Hüften und am Ende seiner Kraft. Auch meine Hunde waren total aus dem Häuschen und beschnupperten ihn und leckten ihn ab. Wiedersehensfreude an allen Ecken und Enden!!!!!

Nachdem er dann gefühlte zwei Liter gesoffen hatte und einen mittleren Napf Futter intus hatte, legte er sich ins Körbchen und schlief erst einmal 10 Stunden durch.

Ab diesem Tag änderte sich alles: Amir wich mir nicht mehr von der Seite und tat alles, um mir zu gefallen. Er war auf den Tag total stubenrein, übergab sich nicht mehr im Auto und war einfach nur froh, wieder bei mir zu sein.

In Absprache mit der Adoptantin entschieden wir, dass es wohl besser ist, wenn er bei mir bleibt. Seit diesem Zeitpunkt sind wir unzertrennlich und obwohl er noch in vielen Situationen Angst hat, orientiert er sich total an mir. Wenn ich mit ihm wohin gehe und er skeptisch ist, folgt er mir trotzdem, weil er mir vertraut und weiß, dass er in meiner Nähe sicher ist.

 

Das größte Rätsel für mich bleibt weiterhin, wie er den Weg von der Adoptantin zu mir gefunden hat. Wie bereits erwähnt, liegen 20 Kilometer zwischen beiden Orten und Amir ist diese Strecke auch nur einmal gefahren……Wie auch immer er es geschafft hat, ich bin überzeugt, dass sein Wille so stark war, zu mir zurück zu kommen, dass er alle Sinne eingesetzt hat, um dieses Ziel zu erreichen. Nennt mich verrückt oder eingebildet, aber irgendwie muss da eine Verbindung bestanden haben.

 

Mit dieser Vorgeschichte und dem Hintergrundwissen, haben wir ihn vorläufig aus der Vermittlung rausgenommen. Ob er jemals noch zur Vermittlung steht, wird sich ergeben. Momentan würde ihm eine weitere Trennung von seiner einzigen Vertrauens- und Bezugsperson wahrscheinlich das Herz brechen. Deshalb haben wir uns entschieden, ihn weiterhin als Dauerpflegehund auf seiner Pflegestelle zu lassen. Da er jedoch große Probleme mit den Augen hat, die fast durchgängig hohe Kosten verursachen, haben wir beschlossen, Paten für ihn zu suchen. Im Monat belaufen sich die Kosten für Medikamente, Untersuchungen und Behandlungen auf ca. 300€. Außerdem bedarf es einer intensiven Pflege des Auges.

Amir und das bluedogs-Team würden sich freuen, wenn wir einige Unterstützer finden würden, die die Ausgaben mittragen und ihm einen ruhigen Lebensabend in seiner geliebten und vertrauten Umgebung ermöglichen würden!

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